Diamantenkartell geplant

Sechs Länder im südlichen Afrika wollen ein Kartell nach dem Vorbild der Opec gründen, um mehr Einfluss auf den Handel mit Rohdiamanten zu gewinnen. Vertreter der in der Diamantenproduktion führenden Länder Südafrika, Namibia, Botswana, Zimbabwe, Angola und Kongo-Kinshasa wollen sich nach Worten des stellvertretenden kongolesischen Bergbauministers Victor Kasongo in dieser Woche in der angolanischen Hauptstadt Luanda treffen, um ein entsprechendes Abkommen zu unterzeichnen.
 
Zweck dieses maßgeblich von Südafrika, Namibia und Botswana betriebenen Projekts soll sein, die Diamantenindustrie dazu zu zwingen, einen Großteil der im südlichen Afrika geförderten Rohdiamanten nicht mehr in Indien, sondern in Afrika schleifen und polieren zu lassen. „Es geht eindeutig nicht um Preismanipulation, sondern um lokale Wertschöpfung“, sagte Kasongo. Dem Vernehmen nach planen die Länder, dass ein noch zu bestimmenden Prozentsatz der Diamanten kraft Gesetzes im Land selbst verarbeitet werden muss.

 

Die größten Verarbeitungszentren für Rohdiamanten liegen heute in Indien, Israel und in einem geringeren Maße in Antwerpen, wo allerdings nur noch besonders wertvolle Steine geschliffen werden. Insgesamt hat der Handel mit Rohdiamanten in aller Welt ein Volumen von 13,1 Milliarden Dollar jährlich; die sechs künftigen Kartellländer fördern gegenwärtig rund 60 Prozent aller Diamanten.

Die geplante Kartellgründung ist der vorläufige Höhepunkt der seit Jahren laufenden Bemühungen insbesondere der südafrikanischen Regierung, die eigene Bevölkerung stärker an der Wertschöpfungskette bei Diamanten zu beteiligen, deren gesamtafrikanisches Volumen auf 8,3 Milliarden Dollar geschätzt wird. Der Weltmarktführer für Diamanten, der südafrikanische De-Beers-Konzern, kontrolliert 70 Prozent der afrikanischen Diamantenförderung, die sich im Wesentlichen in den sechs künftigen Kartellländern abspielt. De Beers dominiert nicht nur die Diamantenförderung in Südafrika, sondern über Gemeinschaftsunternehmen („Joint-ventures“) mit den jeweiligen Regierungen auch die in Namibia und Botswana, wo die ertragreichsten Minen der Welt liegen. Zudem ist De Beers wieder in die Förderung in Angola eingestiegen. Eigenen Angaben zufolge ist der Konzern zudem an 40 Unternehmen für die künftige Diamantenförderung in Kongo-Kinshasa beteiligt.

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Bisher wurden die im südlichen Afrika geförderten Diamanten in eine Sortier- und Verkaufszentrale nach London exportiert. Von dort aus gingen lediglich drei Prozent wieder nach Südafrika, um dort geschliffen zu werden. Immerhin hatte De Beers vor kurzem angekündigt, sein Sortierzentrum von Großbritannien nach Botswana zu verlegen, um der zunehmend heftiger geführten Diskussion um die Verarbeitung der Steine vor Ort zu besänftigen. Im Gegensatz zu Südafrika verfügt Botswana über ein besonders investitionsfreundliches Steuersystem. Zudem ist die Beziehung des Konzerns zur botswanischen Regierung von weniger Spannungen geprägt als in Südafrika, wo Teile des Kabinetts De Beers regelmäßig seine Rolle während der Apartheid vorwerfen.

In seiner Heimat sieht sich der Konzern zudem von einem neuen Gesetzesvorhaben bedrängt, der sogenannten Diamond Amendment Bill. Demnach müssen künftig alle in Südafrika geförderten Rohdiamanten einem staatlichen Ankaufbüro angeboten werden, das die Steine anschließend lokalen Schleifwerkstätten zur Veredelung weiterreichen will. Auf diese Weise sollen, so hofft die Regierung, neue Arbeitsplätze entstehen. Bis zu 10 Prozent aller lokalen Rohdiamanten will dieses Büro aufkaufen. Im Gegenzug werden diejenigen Diamantenproduzenten, die sich dieser Prozedur unterwerfen, von der neuen Exportsteuer von 5 Prozent für Rohdiamanten befreit.

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Die Industrieverbände laufen Sturm gegen dieses neue Gesetz, das ursprünglich zu Beginn des Jahres in Kraft treten sollte. Die Diamantenindustrie argumentiert, die Lohnkosten in Südafrika seien im Vergleich zu den indischen viel zu hoch, außerdem fehle es an gut ausgebildeten Facharbeitern, so dass die angestrebten zehn Prozent der Rohdiamanten nie und nimmer in Südafrika geschliffen werden könnten. Offenbar hat der südafrikanische Finanzminister Trevor Manuel ein gewisses Verständnis für die Sorgen der Konzerne. Jedenfalls hat er die Diamond Amendment Bill noch nicht in Kraft gesetzt. In Namibia ist De Beers bereits eine – angeblich freiwillige – Verpflichtung eingegangen, 16 Prozent seiner Steine von lokalen Werkstätten schleifen zu lassen.


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