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Category: Columnists

  • ‘Namibia ist ein sicheres Land’

    In den Augen von Afrikakenner Michael Iwanowski wird sich das auch nach dem Verbrechen nicht ändern: „Namibia ist nach wie vor ein sicheres Land.“ Iwanowski weiß, wovon er spricht. Er veranstaltet seit 25 Jahren individuelle Reisen nach Afrika. Rund 150 000 Deutsche haben mit seiner Hilfe den Kontinent bereist. So auch das Ehepaar, das dem Verbrechen zum Opfer fiel. Das Entsetzen ist daher besonders groß: „In all den Jahren hatten wir nie einen ernsthaften Zwischenfall.“

    Allerdings hält Iwanowski den Mord für einen tragischen Einzelfall. Das betroffene Ehepaar kannte sich in Namibia gut aus und war bereits zum fünften Mal im Land unterwegs. Sie wussten, wie sie sich zu verhalten haben. „Sie waren zur falschen Zeit am falschen Ort.“

    Sicherheitstipps:

        * In den Großstädten ist die Kriminalitätsrate sehr hoch. Meiden Sie die Innenstädte sowie einsame und verlassene Gebiete in den Städten (z.B. nach Ladenschluss, an Sonn- und Feiertagen, bei Dunkelheit).

        * Fahren oder gehen Sie nie allein in Siedlungen mit überwiegend schwarzer Bevölkerung, sondern nur in organisierter Form unter ortskundiger Führung.

        * Tragen Sie nach Möglichkeit keinen Schmuck oder auffällig teure Kameras mit sich.

        * Lassen Sie nie im Wagen Wertgegenstände oder Gepäck liegen. Was wertvoll ist, gehört in den Hotelsafe.

        * Bei einer Campingreise sollten Sie nur auf den ausgewiesenen Campingplätzen übernachten.

        * Bei auffälligen Hindernissen auf der Straße (z.B. quer über die Straße liegende Baumstämme usw.) ist besondere Vorsicht geboten, da es sich um eine „Straßenfalle“ handeln könnte. Es wird angeraten, rechtzeitig umzudrehen und im nächsten Ort die Polizei zu informieren.

        * Beachten Sie, dass Sie in Nationalparks Ihren Wagen gar nicht oder nur an bestimmten Stellen verlassen dürfen.

        * Von Fahrten während der Dämmerung/Dunkelheit wird dringend abgeraten. Neben erhöhter krimineller Gefährdung besteht das Risiko eines Verkehrsunfalls wegen unbeleuchtet abgestellter Fahrzeuge und auf der Straße befindlicher Tiere.

        * Von Fahrten per Anhalter und mit Minibustaxis wird dringend abgeraten.

        * Von Fremden angebotene Getränke in Bars oder Restaurants sollte man nicht annehmen. Es gab Fälle, in denen K.o.-Tropfen beigemischt wurden.

        * Wegen der Gefahr von Fahrzeugentführungen und „smash-and-grab“-Überfällen sollten im Auto die Fenster immer geschlossen und die Türen von innen verriegelt sein.

        * Es wird davon abgeraten, an Aussichtspunkten und Rastplätzen zu halten, wenn dort keine anderen Touristen in Sichtweite sind.

        * Aus Sicherheitsgründen wird empfohlen, ein Mobiltelefon anzumieten (auf den Flughäfen möglich) oder mitzubringen.
     

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  • Japan setzt auf Atomkraft

    Im Rahmen der weltweiten Klimaschutzpläne will Japan die friedliche Nutzung der Atomenergie fördern und sich als führender Exporteur von Nukleartechnik am Weltmarkt etablieren. Dies erklärte kürzlich Shunsuke Kondo, Vorsitzender der japanischen Atomenergiekommission, in Tokio. „Japan hilft Entwicklungsländern, die notwendige Infrastruktur für die Einführung der Atomenergie einzuführen“, sagte Kondo.

    Hintergrund des Eifers ist Japans Klimaschutzplan „Cool Earth 50“, mit dem Ministerpräsident Shinzo Abe die Kohlendioxid-Emissionen bis 2050 halbieren will. Der Ausbau der Atomkraft ist darin ein wichtiger Eckpfeiler. Kommissionschef Kondo hofft daher, dass Japans Kraftwerksbauer globale Allianzen eingehen, um besser auf den neuen Märkten konkurrieren zu können.

    Die Regierung und die Industrie ziehen dabei kräftig an einem Strang. Japans führende Kraftwerksbauer haben sich bereits für den Kampf mit ihrem Hauptrivalen Areva aus Frankreich gestärkt. Toshiba kaufte im Herbst 2006 den US-Rivalen Westinghouse und hat vorigen Monat einen Großauftrag in den USA ergattert. Hitachi hat mit General Electric die gemeinsame Entwicklung von Siedewasserreaktoren vereinbart. Und Ministerpräsident Shinzo Abe verpflichtete sich bei seinem Amerika-Besuch Ende April zu einer globalen Kampagne zur friedlichen Nutzung der Atomenergie. Nach Medienberichten soll die Initiative auf neue Brennstoff- und Reaktortechniken setzen, die in Japan entwickelt werden und sich schwerer zum Atombombenbau nutzen lassen.

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  • Alle Signale auf Gr?n

    Deutsche Umwelttechnologien werden schon heute in alle Welt exportiert. Ein globaler Ökoboom könnte die Branche zum wichtigsten Industriezweig machen.

    Die Grundfos-Magna ist kein Produkt, das seinem Besitzer in der Nachbarschaft besonderen Ruhm einbringt. Auch die Wilo-Stratos eignet sich nicht zum Protzen. Dabei handelt es sich bei beiden Produkten um technologisch hochwertige Erzeugnisse. Um echte Wundermaschinen.

    Die Grundfos-Magna und die Wilo-Stratos sind Heizungspumpen der besonderen Art. Verglichen mit herkömmlichen Pumpen, verbrauchen sie nur ein Fünftel des Stroms, um das warme Wasser im Haus zirkulieren zu lassen. Brüsseler Kontrolleure haben sie mit dem Energielabel A ausgezeichnet. Schon drei Jahre nach dem Kauf, so beschreibt es Horst Elsner mit für seine Verhältnisse eher untechnischen Worten, verwandele sich die Pumpe »praktisch in eine Gelddruckmaschine«.

    Elsner ist Präsident des Fachverbandes Pumpen + Systeme, der zum Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau gehört. Wenn man ihn fragt, wie hoch die Nachfrage nach den Gelddruckmaschinen ist, antwortet er, dass es einen klaren »Trend zur Energiesparpumpe« gebe. Im vergangenen Jahr hätten die europäischen Hersteller doppelt so viele abgesetzt wie 2005. Zufrieden ist Elsner nicht. Denn im Verhältnis zu den Stromfresserpumpen kommen die Sparpumpen bisher nur auf einen Marktanteil von fünf Prozent.

    Bleibt die grüne Technologie, die derzeit vier Prozent des deutschen Industrieumsatzes ausmacht, eine Nischenveranstaltung? Oder steht sie in Zeiten des Klimawandels vor einem gewaltigen Wachstum, das besonders der exportorientierten deutschen Wirtschaft ungeahnte Chancen bietet?

    Sigmar Gabriel ist Optimist. Der Umweltminister prognostiziert der Wirtschaft ihr grünes Wunder: Im Deutschland des Jahres 2020 würden Geschäfte mit nachwachsenden Rohstoffen, effizienten Geräten und alternativen Energien das Wachstum treiben. Grüne Stromfabriken liefern dann jede vierte Kilowattstunde Strom. Umwelttechnologie-Unternehmen beschäftigen eine halbe Million Arbeitnehmer. Sie erwirtschaften ein Zehntel des Umsatzes der gesamten Industrie und lassen den Fahrzeugbau hinter sich. Und sie mischen weltweit in dem grünen Megageschäft mit. »Greentech made in Germany« könnte ein Zehntel eines 2200 Milliarden Euro schweren Weltmarktes ausmachen.

    Der Umweltminister schwärmt von der »dritten industriellen Revolution«. Gabriels Visionen beruhen auf groß angelegten Studien der Unternehmensberatung Roland Berger, des Fraunhofer-Instituts für System- und Innovationsforschung (ISI) und des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW).

    Danach könnten deutsche Unternehmen künftig auch bei Ökoenergien weltweit die Maßstäbe setzen, für die sie in »traditionell grünen Leitmärkten« schon heute bekannt sind, wie Roland-Berger-Umweltexperte Torsten Henzelmann erklärt. Bei Abfallverwertungstechnologien, Energie- und Kraftwerkstechnik, bei effizienten Haushaltsgeräten, in der Antriebstechnik, bei nachhaltigen Verkehrssystemen und bei der Aufbereitung von Wasser – auf all diesen Feldern erwirtschaften deutsche Firmen zuverlässig »zwischen fünf und dreißig Prozent des weltweiten Umsatzes«, sagt Henzelmann.

    Der sich abzeichnende weltweite Boom der Ökoenergien eröffnet deutschen Unternehmen jetzt neue Möglichkeiten: Schon im Jahr 2010, so prognostiziert der Bundesverband der Erneuerbaren Energien (BEE), dürfte ein Drittel des Branchenumsatzes von 45 Milliarden Euro auf den Export entfallen. Vorreiter im Auslandsgeschäft ist die Windindustrie, die heute schon zwei Drittel des Geschäfts aushäusig erwirtschaftet – ein internationaler Erfolg, von dem deutsche Solarunternehmen oder Biogasfirmen bislang nur träumen können.

    Dass die lang geschmähten Umwelttechnologien einen Wachstumsschub bringen könnten, freut mittlerweile selbst die Lobbyisten im Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI). Die Verbreitung klimaschonender Technologien eröffne dem »Weltmarkt- und Innovationsführer« Deutschland große Chancen für Wachstum und Beschäftigung, vermeldet der BDI-Konjunkturreport.

    Auf dem Umweltsektor ist Deutschland tatsächlich spitze. Vor vier Jahren lösten hiesige Firmen die amerikanische Konkurrenz als weltgrößten Exporteur von Umwelttechnologien ab. Das sei allerdings »kein Grund für allzu viel Euphorie«, warnt Rainer Walz vom Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) in Karlsruhe. Denn die Pioniere jenseits des Atlantiks ließen sich trotz umweltpolitischer Flaute zu Hause genauso viele Patente für effiziente Technologien sichern wie deutsche Tüftler. Werde der »schlafende Technologieriese USA« geweckt, zum Beispiel durch ambitionierte Klimapolitik in Washington, dann »muss sich Deutschland warm anziehen, um vorn zu bleiben«.

    Im Silicon Valley, der legendären Heimat des Computer- und Internetbooms, schieben Firmengründer, Risikokapitalgeber und Wissenschaftler bereits die grüne Industrierevolution an. Sie experimentieren mit genmanipulierten Hefezellen oder Algen, um neue Treibstoffe herzustellen. Oder mit Superlegierungen für leistungsfähigere Solarzellen. Wagniskapital gibt es genug, schließlich versprechen der hohe Ölpreis, knapper werdende Ressourcen, steigender Energiebedarf und der Klimawandel satte Renditen.

    Der Begriff Silicon Valley weckt wehmütige Erinnerungen. Zu Zeiten der New Economy blühte auch der deutsche Erfindergeist – die Vorherrschaft in dem daraus gewachsenen Markt sicherten sich allerdings eBay, Google und Yahoo.

    Dass deutsche Umwelttechnologien auf dem Weltmarkt führen, ist also keineswegs selbstverständlich. Ein Blick in einzelne Branchen zeigt die Gefahren. Zwar erfand etwa der deutsche Chemie- und Pharmakonzern Merck jene Flüssigkristalle, die heute in Flachbildschirmen für schnellen Bildaufbau und niedrigen Energieverbrauch sorgen – die hiesige Anschlussindustrie allerdings verschlief die Entwicklung. Bildschirme liefern heute Sony, Toshiba oder Apple. Oder das Wassergeschäft: Mittelständler aus der deutschen Provinz können weltmeisterlich Komponenten zur Wasser- und Abwasseraufbereitung oder auch Anlagen zur Meerwasserentsalzung liefern. Das internationale Wassergeschäft aber findet ohne die Deutschen statt – ein Trauerspiel angesichts eines Marktes, der laut Brüsseler Prognosen bis 2010 auf 400 Milliarden Euro wachsen soll.

    Die nächste Pleite scheint programmiert. In einer Schublade des Fraunhofer-Instituts für Solare Energiesysteme liegt ein Produkt, das den Mobilfunk revolutionieren könnte. Telefonieren rund um die Uhr, ohne lästiges Ladekabel, aber mit permanent geladenem Akku – schon vor sechs Jahren hätte dieser Traum in Erfüllung gehen können. Damals entwickelten die von Siemens beauftragten Freiburger Forscher ein Telefon mit integrierten Hochleistungssolarzellen – welches maximal 20 Euro mehr gekostet hätte. Doch die Prototypen verschwanden wieder. Warum griff kein Konkurrent zu? Forschungschef Christopher Hebling schweigt. »Extrem zögerlich« seien Hersteller bei solchen Innovationen, sagt er dann. Hebling hofft, »dass der Ökoboom endlich eine beherzte Firma ermuntert, das Solarhandy zu produzieren«.

    Ob Solarhandy oder hoch effiziente Pumpen – Umweltfreundliches ist am Markt nicht zwangsläufig sexy. Private und gewerbliche Verbraucher entscheiden sich oft einfach für das billigste Produkt. Dass es über kurz oder lang teurer wird als ein energiesparendes, zählt nicht sonderlich.

    Der Erfolg der grünen Produkte hängt also davon ab, ob die jahrelang von »Geiz ist geil«-Parolen geprägten Kunden langfristig umdenken. Das den Deutschen nachgesagte Umweltgewissen allein wird kaum reichen, ein grünes Wirtschaftswunder auszulösen – sondern Beiwerk sein in einer Kombination von Umweltgesetzen und ökonomischen Anreizen.

    Vor vielen Jahren hat dieser Mix die fossile Energietechnik an die Weltspitze katapultiert. Getrieben durch strenge Vorschriften zur Luftreinhaltung, hätten deutsche Filterhersteller in Technologien zur Entschwefelung von Kraftwerkabgasen investiert, so Bodo Gehrmann von Thyssen Krupp VDM. Die Nickellegierungen des Konzerns entwickelten sich – obwohl vergleichsweise teuer – zum Exportschlager. Heute stammt beinahe jede sechste Tonne, die weltweit geliefert wird, aus den Werken des deutschen Unternehmens. Gehrmann blickt optimistisch in die Zukunft: Angeregt durch klimapolitische Vorgaben, tüfteln Kraftwerksbetreiber jetzt an Technologien, die die Klimagase reduzieren. So sollen Verbrennungskessel in Kohlekraftwerken mit Superlegierungen ausgekleidet werden, die Temperaturen bis 700 Grad mühelos standhalten – was den Wirkungsgrad deutlich verbessert und weniger Verschmutzungsrechte erfordert.

    Die grünen Energieproduzenten wiederum verdanken den Boom der vergangenen Jahre vor allem einem großzügigen Fördersystem, das eine permanent hohe Nachfrage garantiert. Das Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) der rot-grünen Regierung ließ klimafreundliche Stromfabriken wie Pilze aus dem Boden schießen. Mittlerweile versorgen sie zehn Millionen Menschen mit Elektrizität.

    Der politisch initiierte Nachfrageschub hat jedoch nicht nur einen Technologieboom zu Hause ausgelöst. Es gibt auch eine »Kehrseite«, sagt ISI-Forscher Walz. Da inländische Produktionsanlagen die Nachfrage noch nicht decken können, werden Güter wie beispielsweise Solarzellen importiert – was internationale Unternehmen von den staatlich garantierten Einspeisevergütungen profitieren lässt und hiesigen Unternehmen kaum technologischen Vorsprung bringt.

    Manche Experten glauben sogar, dass der hierzulande erzeugte Solarstrom zu gut bezahlt wird, was die Branche eher innovationsträge mache. ISI-Untersuchungen zufolge meldet der Weltmarktführer Japan jedenfalls weiterhin die meisten Patente für Photovoltaik an. Der großzügige Garantiepreis bietet den Anlagenherstellern kaum Anreize, Kosten zu senken. Wer bis 2007 eine Solaranlage auf sein Dach setzt, erhält über 20 Jahre lang etwa 49 Cent für jede Kilowattstunde, die er ins Stromnetz einspeist. Dank der großzügigen Vergütung kaufen die Verbraucher Anlagen, die vergleichsweise teuer sind. Auch deshalb gehören Hersteller wie Solarworld, Q-Cells oder Ersol zu den renditestärksten Firmen am Aktienmarkt.

    Beim Wind sind die Deutschen Weltmarktführer. Dank EEG hat hierzulande jeder halbwegs windstarke Standort sein Windrad. Und beinahe jede zweite beim Europäischen Patentamt angemeldete Erfindung geht auf hiesige Tüftler zurück. Größer werdende Windparks – etwa in der Nordsee – erfordern allerdings ein »noch schnelleres Wachstum«, sagt Helmut Edelmann, Energieexperte bei Ernest&Young. Die Unternehmen bündeln deshalb ihre Kräfte und fusionieren: Im Jahr 2004 zählte Edelmann 65 Transaktionen, ein Jahr später waren es schon 113. Finanzkräftige Investoren stehen in dieser Branche Schlange, wie der Bieterkampf um den Windturbinenhersteller Repower zeigte, jener Hamburger Firma, die die weltgrößte 5-Megawatt-Turbine entwickelte. Schließlich sicherte sich der indische Windturbinenbauer Suzlon gemeinsam mit dem französischen Atomkonzern Areva das Sagen. Jetzt entwickelt Suzlon das Geschäft: Der Konzern bietet vom Fundament bis zum Rotorblatt alles aus einer Hand an. Der Umsatz soll um 50 Prozent steigen, die Firma weltweit zur Nummer drei der Branche werden. Längst scharen auch Großkonzerne wie Siemens, BP, Shell oder General Electric die kleinen Spezialisten um sich. Derzeit steht die Windenergiefirma Nordex vor einem Verkauf.

    Vor allem aber bemühen sich die Giganten des Marktes um ein grünes Image. Schon 1997 kreierte der britische Ölmulti BP den Slogan »beyond petroleum«. Damals glaubten viele, die symbolische Sonnenblume signalisiere den Wechsel zu grüner Energie. Aber da täuschten sie sich. Zehn Jahre später ist BP mit 500 Millionen US-Dollar Jahresumsatz zwar der drittgrößte Anbieter am weltweiten Solarmarkt – und dennoch ist das Geschäft verschwindend klein im Vergleich zu dem Umsatz von Öl und Gas. Außerdem fehlen immer noch die Solarpanels auf den BP-Produktionsanlagen selbst. Der neue Konzernchef Tony Hayward sieht »beyond petroleum« nicht so eng, sondern subsumiert darunter BPs Vorbereitungen auf eine fossile Wirtschaft, »in der CO₂-Emissionen begrenzt sind«. Und so werden in dem BP-Geschäftsbereich »alternative energy« sowohl Investments in kohlendioxidarme fossile Kraftwerke, moderne Gasturbinen als auch in Wind- und Solarparks geplant.

    Der US-Riese GE hat sein komplettes Angebot nach ökologischen Kriterien durchgestylt. Seit 2005 tragen alle für »energieeffizient und umweltfreundlich« befundenen Produkte das Label »ecomagination«. Vorstandschef Jeff Immelt freut sich über »außergewöhnliche Umsätze«. Im vergangenen Jahr haben Produkte mit dem Label 12 Milliarden US-Dollar eingebracht, ein Plus von 20 Prozent. Der Auftragsbestand beläuft sich auf 50 Milliarden US-Dollar. Auch intern macht Immelt Druck. GE hat sich verpflichtet, bis 2012 bei wachsender Produktion ein Prozent weniger Treibhausgase in die Atmosphäre zu entlassen und Energie um dreißig Prozent effizienter zu nutzen.

    Nicht alle Branchen profitieren vom grünen Boom. Die Deutsche Bank Research stuft in einer druckfrischen Studie das traditionelle Flaggschiff der deutschen Wirtschaft, die Automobilindustrie, als »Verlierer« ein. Bei den hiesigen Autoherstellern, weltweit bekannt für schnelle und schwere Schlitten, dürften verschärfte Emissionsgrenzen für neu zugelassene Pkw, die geplante Umstellung der Kfz-Steuer auf den CO₂-Ausstoß und Einschränkungen bei der großzügigen Dienstwagenregelung für steil steigende Investitionen in energiesparende Wagen sorgen. Der Treibstoffverbrauch werde »zu einem wichtigeren Entscheidungskriterium«, sagt Deutsche-Bank-Research-Umweltexperte Eric Heymann. Die deutschen Autobauer müssen sich neu orientieren. Profitieren dürften die Zulieferer. Bosch entwickelt Systeme, die weniger Schadstoffe in die Luft entlassen, darunter hoch effiziente Einspritzdüsen für Dieselmotoren und die Start-stopp-Automatik. BMW will diese Technik in vielen Modellen anbieten, ebenso Porsche. Der Geländewagen Cayenne braucht dann bis zu 15 Prozent weniger Kraftstoff. Dennoch werden Deutsche künftig öfter aufs eigene Auto verzichten, glauben Umweltexperten, und Carsharing oder Fahrgemeinschaften betreiben.

    Die Finanzwelt hat den Klimawandel längst als Faktum begriffen. Der »eindeutige Wachstumsmarkt« freut Banker wie Heymann. Sie finanzieren den Ausbau der grünen Energien. Gleichzeitig floriert das Beratungsgeschäft – Kunden wollen mehr über neuartige Ökofabriken wissen. Die Branche konstruiert neue Anlage- und Finanzprodukte wie Umwelttechnologiefonds oder Wetterderivate. Dadurch erhöht sich der Druck auf die Industrie, fließen doch immer öfter Klimarisiken in Bonitätsbeurteilungen ein. »Wer geringe Emissionen produziert, hat Vorteile«, lautet die einfache Rechnung von Heymann. Für viele Industriezweige seien Klimaveränderungen genauso bedeutend wie Wechselkurs- oder Zinsrisiken.

    Die Zeiten ändern sich also. Beim Pumpenhersteller Wilo ging jüngst eine Bestellung von Tom Zylstra ein, einem führenden Vertragshändler der legendären Motorradmarke Harley Davidson. Zylstra baut neue Niederlassungen auf, die erste nahe Chicago betreibt er nun mit einer CO₂-neutralen Heizung. Den Kessel befeuern Maispellets – und zwei Stratos verteilen die Wärme über 7400 Quadratmeter. Der Harley-Händler hält die deutschen Heizungspumpen für coole Maschinen.

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  • Keimzelle mit Indianern

    Vor 400 Jahren entstand an der Chesapeake-Bucht die erste dauerhafte englische Kolonie auf dem amerikanischen Kontinent – dreizehn Jahre bevor die Pilgerväter in Neuengland Plymouth gründeten (Siehe auch: Johannes Fleischer – Der deutsche Siedler in Jamestown). Zum „Geburtsort Amerikas“ haben die Verantwortlichen in Virginia ihre historische Stätte deshalb erklärt. Der wichtigste Ehrengast zur Erinnerung an die Landung der ersten 104 Siedler am 13. Mai 1607 kommt schon an, bevor das Jubiläumsprogramm am 11. Mai offiziell beginnt. Für diesen Donnerstag wird Ihre Majestät Königin Elisabeth II. in Jamestown erwartet.

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    Mit drei Schiffen war 1607 die Vorhut der Kolonialisten über den Atlantik gesegelt. 104 Männer und Jungen kamen, getrieben von der Hoffnung auf Gold und andere Reichtümer

    Das letzte Mal war sie vor einem halben Jahrhundert da, zum 350. Jubiläum der Kolonie, die nach König James I. benannt ist. Als Geburtstagsgeschenk hatte die Queen 1957 eine gewaltige Schmuckschatulle aus dem 17. Jahrhundert mitgebracht. Das kostbare Stück wird im Museum für amerikanische Volkskunst im benachbarten Williamsburg gezeigt. Die kleine Stadt bereitet sich seit Monaten darauf vor, Jamestown-Besucher aufzunehmen. Denn am „Geburtsort Amerikas“ darf niemand wohnen – außer eben Bill Kelso und seiner Frau.

    Das Privileg genießt Kelso, weil er der Wiederentdecker von Jamestown ist, offiziell: der „Leiter des archäologischen Projekts zur Wiederentdeckung von Jamestown“. Schon als der 66 Jahre alte Amerikaner vor mehr als 40 Jahren zum Studium an das College of William and Mary in Williamsburg kam, hatte er sich in den Kopf gesetzt, das historische Jamestown zu finden.

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    Die Anfänge waren allerdings nicht sehr ermutigend. Er komme ein paar hundert Jahre zu spät, der Fluss habe die Überreste des Forts weggeschwemmt, sagte ihm damals ein Professor. Doch Kelso leuchtete diese Theorie nicht ein, die damals viele Fachleute vertraten. „Also beschloss ich, selbst Archäologe zu werden“, sagt der Chefausgräber mit dem weißen Schnauzbart, der sein wettergegerbtes Gesicht mit einem breitkrempigen Hut schützt.

    Am 4. April 1994 wurde mit den Ausgrabungen begonnen. Seit Kelso damals andächtig die erste Tonscherbe in Händen hielt, sind auf der rund 400 Quadratmeter großen Fläche, auf der das Fort vor 400 Jahren stand, mehr als eine Million Stücke ausgegraben worden. Die Funde füllen mittlerweile ein ganzes Museum: das im vergangenen Jahr eröffnete „Archaearium“ in der Nähe der Ausgrabungsstelle. „Diese Schachfigur könnte ich mir auch in einer Vitrine des Archaeariums vorstellen“, sagt Danny Schmidt und zeigt eine Figur aus Elfenbein oder Knochen, die er vor einer halben Stunde gefunden hat. Der 29 Jahre alte Archäologe mit Stoppelbart und Sommersprossen half schon als Schülerpraktikant bei den Ausgrabungen und kann noch lange arbeiten: „Wir haben erst 40 Prozent der Fläche untersucht.“

    Eine Gewissheit haben die Forscher aber ohnehin schon ausgegraben: Der „Geburtsort Amerikas“ war kein beschauliches Plätzchen. Hunger, Krankheit und Kampf prägten das meist nur kurze Leben der frühen Siedler. Der amerikanische Traum, mit harter Arbeit schnell reich zu werden, erfüllte sich für die allermeisten nicht. Manche der mitgereisten Gentlemen waren es freilich auch nicht gewohnt, sich die Finger schmutzig zu machen.

    Umso härter traf die Kolonisten die katastrophale Dürre, die bei ihrer Ankunft herrschte. Vor allem der Hungerwinter 1609/1610 war ein Albtraum. Von den 500 Siedlern lebten im Frühjahr 1610 nur noch 60. Wer nicht verhungerte, lief Gefahr, von Angehörigen verspeist zu werden. Ein Siedler habe seine Frau geschlachtet und Teile von ihr gegessen, berichtet ein Chronist, der „von einer Speise in Gestalt einer gesalzenen Ehefrau noch nie gehört hatte“.

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    Angesichts derartiger Zustände verwundert es kaum, dass das Londoner Unternehmen, das die Kolonisierung Virginias betrieb, bankrott ging. Die „Virginia Company“ hatte auf dem neuen Kontinent einen Handelsstützpunkt errichten wollen. An Landwirtschaft hatten die Investoren kein Interesse. Doch letztlich war es der Tabakanbau, der Jamestown rettete – und für Tausende Indianer und Schwarze Untergang und Sklaverei bedeutete.

    Die „Virginia Company“ hatte die Kolonisten gemahnt, „die Eingeborenen nicht zu erzürnen“, das sei schädlich für die Geschäfte. Dennoch kam es immer wieder zu Spannungen und Krieg und letztlich zur Verdrängung der Indianer. Als Jamestown gegründet wurde, lebten entlang der Chesapeake-Bucht 30 Stämme der Powhatan mit ungefähr 15 000 Mitgliedern. Zum Ende des 16. Jahrhunderts waren es nur noch 2000. Der Name Jamestown ist zudem mit der Sklaverei verknüpft: Im August 1619 wurden dort etwa zwanzig Schwarze von einem holländischen Sklavenhändler an Land gebracht.

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    Ob alle Afrikaner auf dem Schiff Sklaven waren, ist nicht ganz klar. Womöglich seien einige „Schuldknechte“ gewesen, die jahrelang unbezahlt Dienste leisten mussten, aber dann schließlich frei kamen, schildert Kirk Kehrberg vom United States Park Service. Auch das Schicksal späterer Generationen von Schwarzen wurde in Jamestown besiegelt. Denn in der ersten Hauptstadt der Kolonie Virginia wurde die Sklaverei auf dem amerikanischen Kontinent gesetzlich institutionalisiert. Genug Gründe, um das Wort „Feiern“ zum 400. Geburtstag von Jamestown durch „Gedenkveranstaltungen“ zu ersetzen.

    Ob Jamestown ein Fiasko oder ein Erfolg war – darüber wird nach wie vor gestritten. Kritiker stören sich schon daran, dass Jamestown nicht die erste europäische Kolonie gewesen sei. Dieser Titel gebühre St. Augustine in Florida, wo sich schon 1565 die Spanier niederließen. Auch sei nichts Rühmliches darin zu erkennen, dass einige Abenteurer aus Europa mit dem Geld reicher englischer Investoren auf dem Land der Indianer und unter Ausbeutung der Schwarzen eine Stadt zusammengezimmert hätten, die von der Droge Tabak gelebt habe.

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    Bald waren die Tabakfelder sogar alles, was von Jamestown blieb. Schon 1699 wurde beschlossen, die Hauptstadt der Kolonie Virginia nach „Middle Plantation“, ins spätere Williamsburg zu verlegen. Da war die Luft angeblich „wie Seide“, es gab Quellen mit Frischwasser und weniger Stechmücken als am sumpfigen Ufer des Flusses James. Widrige Umwelt- und Wetterverhältnisse hatten den ersten Europäern freilich auch an anderen Orten auf dem Kontinent zu schaffen gemacht.

    Weshalb Boston, New York, Philadelphia und Charleston dennoch pro-sperierten, Jamestown aber unterging, dazu gibt es zahlreiche Theorien, aber keine eindeutige Antwort. Aber warum sollte man überhaupt der Gründung einer Stadt gedenken, die es nicht einmal bis ins nächste Jahrhundert geschafft hat? „Weil sich nicht leugnen lässt, dass Jamestown wichtig ist“, sagt der Kurator Thomas Davidson. Jamestown sei die Keimzelle dessen, was bis heute charakteristisch für die Vereinigten Staaten sei: kulturelle Verschiedenheit, globale Wirtschaftsbeziehungen und Demokratie.

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    So trat im Juli 1619 in der Kirche von Jamestown mit der „General Assembly“ die älteste gesetzgebende Versammlung in der westlichen Hemisphäre zusammen. In der Rückschau wird aber auch deutlich, wie eng Bürgerrechte und die Negierung fundamentaler Freiheiten zusammenlagen: Nur einen Monat nachdem im Kirchenchor der Samen der amerikanischen Demokratie gesät worden war, legte das Sklavenschiff in Jamestown an.

    Beide Ereignisse erlebte John Smith, der Bekannteste unter den ersten Siedlern, nicht mehr mit, da er schon 1609 wegen einer Verletzung zurück nach England musste. Smith war ein Abenteurer, dessen Prahlereien und Fabulierfreude schon das Misstrauen seiner Zeitgenossen weckte. Ist den Schilderungen des „Captain Smith“ von den Anfängen Jamestowns zu trauen? Smith war ein „oft taktloser und manchmal sogar brutaler Mann“, heißt es freimütig auf der Tafel, die in Jamestown unter seinem Standbild in der Nähe des Landeplatzes der ersten Siedler angebracht ist.

    […]

    Aber „Gouverneur Smith“, wie er sich 1608 nennen durfte, war einer der erfolgreichsten Verhandlungsführer gegenüber den Indianern. Beinahe wäre Smith den Powhatan allerdings selbst zum Opfer gefallen. Wäre da nicht die junge, schöne Häuptlingstochter Pocahontas gewesen, die bei ihrem Vater erfolgreich um Gnade für den Engländer flehte. So lautet die romantisch-zweifelhafte Version von Smith’ Rettung. Dass die vorpubertäre Pocahontas den vierschrötigen Engländer liebte, erscheint vielen Fachleuten unwahrscheinlich.

    Aber Beverly Straube, die Kuratorin der archäologischen Sammlung von Jamestown, meint: „Da war schon etwas. Schließlich hat Pocahontas das Fort nach Smiths Abreise nicht mehr betreten.“ Die Häuptlingstochter wurde berühmt als Grenzgängerin zwischen den Kulturen. Nachdem die englischen Siedler sie 1613 als Geisel genommen hatten, bekannte sich Pocahontas zum christlichen Glauben und heiratete 1614 den Tabakbauern John Rolfe.

    […]

    Nach einer „romantischeren“ Darstellung heiratete sie Captain Smith, der sie später loswerden wollte und sich deshalb für tot erklären ließ. Sie folgte ihm dennoch nach England, begegnete ihm zufällig auf der Straße und kehrte enttäuscht nach Virginia zurück. Historisch gesichert ist jedoch, dass Pocahontas in London erkrankte und dort 1617 starb.

    Doch lebt sie bis heute als romantische Heldin fort. Unter anderem wurde die Häuptlingstochter 1995 von den Walt-Disney-Studios für den Zeichentrickfilm „Pocahontas“ neu erfunden. Beverly Straube stört die Hollywood-Verklärung nicht: „Der Film hat Besucher hierher gebracht.“

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    Vom Jubiläum erhoffen sich die Offiziellen in Jamestown, dass der „Geburtsort Amerikas“ endlich den gebührenden Platz in den Schul- und Geschichtsbüchern bekommt. „In den meisten Schulen wird immer noch unterrichtet, dass die europäische Besiedlung Amerikas mit der Landung der Pilgerväter in Plymouth begann“, kritisiert Beverly Straube. Jamestown dagegen sei wegen des verlorenen Bürgerkrieges zur Fußnote abgerutscht.

    Das zu ändern sei schwierig, auch deshalb, weil Plymouth Zufluchtsort für religiös Verfolgte geworden sei, Jamestown dagegen vor allem mit dem Gewinnstreben der „Virginia Company“ in Verbindung gebracht werde. Außerdem profitiert Plymouth davon, dass das amerikanische Erntedankfest mit den Pilgervätern verknüpft ist. „Da wäre es nur fair, wenn wir einen nationalen Jamestown-Tag hätten“, sagt Beverly Straube. „Gleich am Tag nach Thanksgiving.“

     

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  • Diamantenkartell geplant

    Die größten Verarbeitungszentren für Rohdiamanten liegen heute in Indien, Israel und in einem geringeren Maße in Antwerpen, wo allerdings nur noch besonders wertvolle Steine geschliffen werden. Insgesamt hat der Handel mit Rohdiamanten in aller Welt ein Volumen von 13,1 Milliarden Dollar jährlich; die sechs künftigen Kartellländer fördern gegenwärtig rund 60 Prozent aller Diamanten.

    Die geplante Kartellgründung ist der vorläufige Höhepunkt der seit Jahren laufenden Bemühungen insbesondere der südafrikanischen Regierung, die eigene Bevölkerung stärker an der Wertschöpfungskette bei Diamanten zu beteiligen, deren gesamtafrikanisches Volumen auf 8,3 Milliarden Dollar geschätzt wird. Der Weltmarktführer für Diamanten, der südafrikanische De-Beers-Konzern, kontrolliert 70 Prozent der afrikanischen Diamantenförderung, die sich im Wesentlichen in den sechs künftigen Kartellländern abspielt. De Beers dominiert nicht nur die Diamantenförderung in Südafrika, sondern über Gemeinschaftsunternehmen („Joint-ventures“) mit den jeweiligen Regierungen auch die in Namibia und Botswana, wo die ertragreichsten Minen der Welt liegen. Zudem ist De Beers wieder in die Förderung in Angola eingestiegen. Eigenen Angaben zufolge ist der Konzern zudem an 40 Unternehmen für die künftige Diamantenförderung in Kongo-Kinshasa beteiligt.

    […]

    Bisher wurden die im südlichen Afrika geförderten Diamanten in eine Sortier- und Verkaufszentrale nach London exportiert. Von dort aus gingen lediglich drei Prozent wieder nach Südafrika, um dort geschliffen zu werden. Immerhin hatte De Beers vor kurzem angekündigt, sein Sortierzentrum von Großbritannien nach Botswana zu verlegen, um der zunehmend heftiger geführten Diskussion um die Verarbeitung der Steine vor Ort zu besänftigen. Im Gegensatz zu Südafrika verfügt Botswana über ein besonders investitionsfreundliches Steuersystem. Zudem ist die Beziehung des Konzerns zur botswanischen Regierung von weniger Spannungen geprägt als in Südafrika, wo Teile des Kabinetts De Beers regelmäßig seine Rolle während der Apartheid vorwerfen.

    In seiner Heimat sieht sich der Konzern zudem von einem neuen Gesetzesvorhaben bedrängt, der sogenannten Diamond Amendment Bill. Demnach müssen künftig alle in Südafrika geförderten Rohdiamanten einem staatlichen Ankaufbüro angeboten werden, das die Steine anschließend lokalen Schleifwerkstätten zur Veredelung weiterreichen will. Auf diese Weise sollen, so hofft die Regierung, neue Arbeitsplätze entstehen. Bis zu 10 Prozent aller lokalen Rohdiamanten will dieses Büro aufkaufen. Im Gegenzug werden diejenigen Diamantenproduzenten, die sich dieser Prozedur unterwerfen, von der neuen Exportsteuer von 5 Prozent für Rohdiamanten befreit.

    […]

    Die Industrieverbände laufen Sturm gegen dieses neue Gesetz, das ursprünglich zu Beginn des Jahres in Kraft treten sollte. Die Diamantenindustrie argumentiert, die Lohnkosten in Südafrika seien im Vergleich zu den indischen viel zu hoch, außerdem fehle es an gut ausgebildeten Facharbeitern, so dass die angestrebten zehn Prozent der Rohdiamanten nie und nimmer in Südafrika geschliffen werden könnten. Offenbar hat der südafrikanische Finanzminister Trevor Manuel ein gewisses Verständnis für die Sorgen der Konzerne. Jedenfalls hat er die Diamond Amendment Bill noch nicht in Kraft gesetzt. In Namibia ist De Beers bereits eine – angeblich freiwillige – Verpflichtung eingegangen, 16 Prozent seiner Steine von lokalen Werkstätten schleifen zu lassen.


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